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Künstlerhaus Eckernförde e.V.
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| Die
Tragödie Künstlerhaus Sven Wlassack |
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1. Akt:
Seit 11 Jahren besteht das Künstlerhaus Eckernförde im Hause Ottestraße 1 als Folgeeinrichtung des vormaligen Künstlerhauses Selk bei Schleswig. Damals hatte sich der Bürgermeister Klaus Buß für die „Adoption“ dieses für das künstlerisch-kulturelle Profil des Landes Schleswig-Holstein so wichtige Aushängeschild stark gemacht und die international ausgerichtete Stipendieneinrichtung nach Eckernförde geholt. Der Vorstand des Fördervereins wurde mit Eckernförderinnen und Eckernfördern sowie assozierten Eckernförderinnen und Eckernfördern besetzt und das Haus in der Ottestraße 1 mit Mitteln der Landeskulturstiftung 1996 – 1998 in ein Atelierhaus umgewandelt. Sie wissen, dass sich im Zuge der Entwicklung der Zivilisation von menschlichen Gesellschaften eine Art Mechanik im Umgang mit Randgruppierungen, die aus Sicht der „normalen Bevölkerung“ verschiedengradig beschädigt erschienen, Häuser eingerichtet worden sind um sich – so ist die offizielle Erklärung – in besonderem Maße um deren Insassen kümmern zu können. So entstanden Armenhäuser, Krankenhäuser, Irrenhäuser und Künstlerhäuser. So hatte man die Defizitbehafteten im Griff und konnte notfalls einen großen Bogen um die Gebäude machen. Doch Spaß beiseite!
2. Akt :
Bereits im ersten Umbaujahr wurden Stipendien vergeben und nach und nach entstand ein Lebens - und Arbeitsraum für Kunstschaffende aus aller Herren Länder (15 verschiedene Nationalitäten, waren bisher im Haus vertreten) die den Wohn – und Atelierstandard zu schätzen wussten.
eine vom Vorstand des Förderkreises jährlich einberufene und vor den Sommerferien tagende Jury, bestehend aus wechselnden Fachleuten des Landes, sorgte und sorgt für die Auswahl der Stipendien, die zwischen 6 und neuerdings 2 Monaten Arbeits- und Aufenthaltsmöglichkeiten in Eckernförde boten und bieten. Das Hauptkontingent an Stipendiatinnen und Stipendiaten stellt dabei die Bildende Kunst. Von Anfang an wurden jedoch auch bei entsprechend qualifizierter Bewerbung auch die Bereiche Literatur und Musik durch externe Jurorinnen und Juroren berücksichtigt. Dies erwies sich als belebendes Element für die interdisziplinäre Kommunikation im Haus. Es entstanden Kooperationen, die nicht selten in Form von Projekten oder gemeinsamen Auftritten, Ausstellungen, Performances über die parallel verbrachte Stipendienzeit hinausgingen.
3. Akt:
Im Laufe der vergangenen Jahre gab es einige spektakuläre Aktionen, die in der Stadt, im Umland und weit über deren Begrenzung hinaus für Aufsehen sorgten. Jean-Patrice Giraud etwa, ein französischer Stipendiat beschäftigte mit seiner Kunstaktion „Strandgut“ eine große Anzahl von professionellen und ehrenamtlichen Helfern. Diese mussten zunächst einmal einen 16 x 5m großen Holzfloßteppich, der im Keller der Jungmannschule zusammengefügt worden war zum Hafen auf die SS „Zuversicht“ transportieren. Das Holzfloß bestand aus 6.000 Buchenholzeinzelteilen, die durch Ökoschnur und Karamellzucker miteinander verbunden waren. Auf jedem der Hölzchen war ein Wort aus einem Kapitel des Jules Vernes’schen Romans „20.000 Meilen unter dem Meer“ pyrographiert und der Hinweis für die Finder mit der Jungmannschule Kontakt aufzunehmen und eine Erklärung der Kunstaktion anzufordern. Der „Teppich“ wurde dann 26 Seemeilen entfernt bei der Tonne KO 3 (Kiel-Ostsee Weg) gewässert und seinem von Strömung, Windverhältnissen und der Auflösungsbereitschaft des die Floßteile zusammenhaltenden Karamellzuckers abhängigen Schicksal überlassen. Immerhin meldeten sich Finderinnen und Finder von 2.000 einzelteilen vorwiegend von dänischen Inseln. Doch bevor das Floß zu Wasser gebracht werden konnte, gab es noch einen (beinahe) schwerer Verletzten. Beim Aufwickeln des Holzfloßteppichs hielt die Metallwinde dem Gewicht nicht Stand und ein Feuerwehrmann kam mit einem Bein unter den Teppich. Aber wie derartige Aktionen oftmals unter einem guten Stern zu stehen kommen, war der Schreck größer als der verursachte Schaden. Die Aktion wurde unter großer Anteilnahme u.a. auch von zwei TV-Gesellschaften vom Begleitschiff – der MS Seebad Borby - beobachtet. Sogar der Vertreter des Schleswiger Zuckerwerks, das den Rohstoff für die Karamelllösung gestiftet hatte, war über eine Hotline mit dem Geschehen verbunden und jubelte via Äther mit, als die Kunde von der erfolgreichen Wasserung über Handy vermittelt werden konnte.
eine weitere symbolträchtige im Stadtbild deutlich sichtbare Aktion setzte der Berliner Bildhauer, Skulpturist und Stipendiat Michael Spengler im Jahre 2004 in die Tat um: die Aktion „Lebenswege“, bestehend aus 800 Ziegeln, in denen ein Fußabdruck von Eckernförder Kindergartenkindern deutlich sichtbar gemacht worden war, wurde in die Pflasterung der Innenstadt Eckernfördes eingearbeitet. Ausgehend von Kirche und Rathaus streben die Fußabdrücke durch die Fußgängerzone und enden wie das organische Menschenleben auch auf dem Friedhof. Auf den Ziegelsteinen sind lediglich die Vornamen der fußabdrückenden Mädchen und Jungs eingraviert und als besondere Form der künstlerischen Freiheit derart in die Pflasterung integriert, dass sich etwa der rechte Fuß von Anna –Lena in der St. Nicolai –Straße, der linke jedoch im Streckenbachsgang befindet.
4.Akt:
Durchaus weiterer Bereicherungen des Gesamtkunstwerkes Eckernförde kann sich das Künstlerhaus rühmen. Marianne Tralau, die 1999 ein 3-Monatsstipendium erhalten hatte, gefiel es in Eckernförde so gut, dass sie sich entschloss hier zu bleiben und obendrein noch eine kleine herrlich-verrückte Privatgalerie die den wegen der 3 „ü’s“ den türkisch anmutenden Namen „Frühstücksbühne“ trägt zu gründen und zu pflegen. Mittlerweile ist ihre Tochter, die Puppenspielerin Cordula Thonett mit ihren beiden Töchtern dem Ruf der Mutter gefolgt und von Köln nach Eckernförde gezogen. Mittlerweile hat sie ihre Missionstätigkeit in Sachen Karnevalsumzug „Eckernförde Alaaf“ aufgenommen und der Auftakt war vielversprechend. 60 Personen schlossen sich spontan dem als kleinsten öffentlich geförderten Karnevalsumzug der Welt (ein Solo von Cordula Thonett war vorgesehen) an und verhinderten damit erfolgreich eine Aufnahme ins Guiness-Buch der Rekorde.
Im Jahr 2000 absolvierten die Musikerin Beatrix Wagner und ihr Lebens - und Schaffenspartner,der Komponist Gerald Eckert, ein 3-monatiges Musikstipendium in der Ottestraße 1. Dies war der Beginn einer dauerhaften Beziehung musikalischer Art. Die Konzertreihe „Neue Musik“, welche die Stadt Eckernförde zusammen mit den beiden ehemaligen Stipendiaten und der Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski gestaltet, hat im Lande ein Alleinstellungsmerkmal aufzuweisen und sich ein fachkundiges Publikum von 50-70 Besuchern pro Konzert aufgebaut. Dies ist – mit Verlaub – eine sensationelle Tatsache. „Neue Musik“ ist eine faszinierende und für den Entdecker und auf „den Geschmack Gekommenen“ ein völlig anderes und neues Musikhörerlebnis, das sich in erheblicher Weise von den Hörgewohnheiten „normaler“ Musikkonsumenten unterscheidet. Und das vom Zuhörer einiges verlangt. Hat man aber erst einmal „Blut geleckt“ so ist man draculös dabei.
Gerald Eckert gewann einen ersten Preis beim 30th International Competition Bourges 2003/ Frankreich und kam in die Auswahl für die Weltmusiktage 2004/2005. Er erhielt den hochgeschätzten ersten Preis beim int. "Elisabeth Schneider" Kompositionswettbewerb Freiburg, ein Stipendium der Akademie der Künste Berlin, und im vorvergangenen Jahr den 1. Preis des Kompositionswettbewerbes Stuttgart 2005. Außerdem malt er. Mit Otto Jeschke und Erwin Doose stellte er Anfang dieses Jahres im Museum aus.
Beatrix Wagner ist eine virtuose Flötistin, die das erste Mal im Jahre 1995 musikalische Berührung mit dem Land zwischen den Meeren hatte. Sie war damals als Solistin im Rahmen des Schleswig-Holstein- Musik –Festivals zu hören. 2001 gründete Sie das Ensemble Reflexion K, das inzwischen im gesamten europäischen Musikraum geschätzt wird. Beide leben seit dem Jahr 2001 in Eckernförde und fühlen sich durchaus wohl.
5. Akt:
Nach soviel Positivem und Erfreulichem müssen wir leider auch die länger werdenden Schatten beobachten, welche aktuelle Entwicklungen der Gegenwart auf die Zukunft des Hauses zu werfen im Begriffe sind. Das heißt: das Künstlerhaus benötigt finanzielle Unterstützung zum Fortbestand, der durch steigende Betriebs- und Heizungskosten gefährdet ist. Das Haus wird dankenswerter Weise von der Stadt Eckernförde dem Verein mietfrei zur Verfügung gestellt. Die Kosten für den Betrieb muss allerdings der Verein selbst aus eigenmitteln aufbringen. Aufgrund des Zumessungsbetrages, der ursprünglich diese Kosten decken konnte und der pro Monat und Stipendiat schon seit 1996 125 Euro beträgt (dieser Betrag wird von der monatlichen Fördersumme pro Stipendium in Höhe von 750 Euro, welche das Land bereitstellt, abgezweigt und auf das Konto des Fördervereins überwiesen). Das deckte die Kosten des Hauses gerade mal so eben die ersten fünf Jahre. Danach mussten wir uns zusätzliche einnahmequellen erschließen, denn die Heizungskosten stiegen aus Ihnen sicherlich bekannten Gründen in schwindelnde Höhen. Mit Abstottern und städtischen Zuschüssen zu diesen laufenden Kosten stolperten wir von einem Jahr ins nächste und von einer unangenehmen Überraschung in die andere, sobald uns die Abrechnungen vorlagen. Not macht bekanntlich erfinderisch und wir versuchten und versuchen im Ausstellungsraum spezielle Veranstaltungen, die noch nicht irgendwo anders ihre Heimat gefunden haben, anzusiedeln. Das gelang uns teilweise mit Beiträgen wie Zimmer – und Papiertheateraufführungen und Performances, die jedoch lediglich kostendeckend gestaltet werden konnten. Besonderer Dank gilt den Gestaltern des Benefizabends der den bezeichnenden Arbeitstitel „Ka Gööd, ka Musi“ trug und dem Trio Herlich - Engel, das den Reinerlös eines Konzertes im Rathaus für das notleidende Künstlerhaus spendete. Warum erzähle ich Ihnen das alles meine sehr verehrten Damen und Herren? Erstens weil es Sie zu Komplicen und Mitwissern des Elendszustandes einer hehren Kultureinrichtung macht und dadurch die Möglichkeit besteht, dass Sie jemand kennen, der wieder jemand anders kennt, der von einem weiß, dass es einmal jemand gegeben hat, der Interesse daran haben könnte, mit einer guten Idee – wir nehmen aber auch Bares – das Schlamassel in dem sich das Künstlerhaus befindet einzudämmen und auszutrocknen. Am besten wäre es für uns, wenn sie einen ganzen Stapel dieser Anmeldeformulare in ihrem Freundeskreis verteilen könnten und unter Androhung von Liebesentzug o.ä. passendem die komplette Ausfüllung des Antrages (mit Unterschrift, Frist: sofort, kein Aufschub) einfordern könnten. Sollte Ihnen das nicht gelingen, bitten wir zumindest um Ihren eintritt in den Förderverein, der mit einem Jahresbeitrag vom 30 Euro (sie können diesen auch in monatlichen Raten von 2 Euro fünfzig Cent abstottern) auf unser Konto bei der Förde Sparkasse BLZ 210 501 70 Kontonummer 187 47 überweisen.
Was bringt Ihnen das, werden Sie berechtigter Weise fragen und Sie dürfen eine ehrliche Antwort darauf erwarten.
Nun ganz ehrlich es bringt Ihnen abgesehen von einer Spendenbescheinigung, von einladungen zur Mitgliedervollversammlung einmal jährlich und einladungen zu den regelmäßigen „Begrüßungstee“-Treffen mit Neustipendiaten (3-4 x jährlich) gar nichts. Wir können Ihnen nicht einmal postalisch übermittelte einladungen zu den Abschlussausstellungen übermitteln, da wir a) kein Geld weder für das Herstellen von einladungskarten noch b) für Porto haben. Kataloge, die einen einblick in künstlerische Schaffensperioden gewähren, können wir schon lange nicht mehr finanzieren. Um mit uns kommunizieren zu können, müssten Sie einen Internetanschluss haben, wenn nicht, sollten sie sich schleunigst einen machen lassen.
Sie sehen also, wenn wir ehrlich sind haben sie oberflächlich gesehen nichts von einer Mitgliedschaft. Dennoch würde Sie die Aufnahme in unsere Tafelrunde als Förderer oder Förderin, als Interessierten oder als Interessierte als uneigennützigen Unterstützer oder uneigennützige Unterstützerin gleichermaßen „adeln“. Und ihren Enkelkindern könnten Sie dereinst die folgende heldenhafte Erklärung liefern: „Liebe Enkel! Hier ist das Künstlerhaus. Wir gehen jetzt zusammen die marmorne Treppe hinauf direkt auf die Ehrentafel zu und da-seht ihr- steht unter der großen Überschrift: ‚Dank den selbstlosen Helfern in Zeiten der Not’ auch mein Name mit goldenen Lettern geschrieben. Damals als die Welt vor einer Wende zum Schlechten stand, damals als man anfing Kunst und Kultur gering zu achten und nicht mehr zu pflegen bereit war, damals als das Künstlerhaus ein Armenhaus zu werden drohte, damals gehörte ich zu jenen, die bereit waren einen rettenden Beitrag zur Wiederbelebung des Künstlerhauses zu leisten!“
Und das wollen Sie sich entgehen lassen?
Vorhang , Ende der Tragödie?
Kontakt: Sven Wlassack, Vors. Förderkreis,
Tel: 04351/710-170 (Büro), 04351/3413 (privat), Fax: 04351/710-199 (Büro),
04351/3424 (privat), Anschrift 24340 Eckernförde, Rathausmarkt 4-6.
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